Worauf ich meinen Blick richte

Ein Satz ist mir begegnet.
Er klingt einfach, fast banal – und doch hat er mich nicht mehr losgelassen:

Ein Grund dafür, dass Menschen sich vor Veränderung fürchten, ist,
dass sie sich auf das konzentrieren, was sie verlieren könnten,
anstatt auf das, was sie gewinnen könnten.

Ich habe ihn nicht als Aufforderung gehört.
Nicht als „Sei mutig“ oder „Hab keine Angst“.

Ich habe ihn als Frage gehört.

Denn ja – ich verliere gerade etwas.
Ganz real.
Etwas, das mich über lange Zeit getragen hat.
Etwas, das Bedeutung hatte, Struktur, Verlässlichkeit, auch Einkommen.

Es wäre unehrlich, das kleinzureden.

Und gleichzeitig merke ich, wie leicht mein innerer Blick sich verengt,
wenn ich mich ausschließlich auf den Verlust ausrichte.
Wie mein Körper schwer wird.
Wie meine Gedanken kreisen.
Wie die Zukunft sich schließt.

Nicht, weil der Verlust zu groß ist –
sondern weil ich allein ihn betrachte.

Veränderung ist kein Tauschgeschäft.
Es gibt keine Garantie, keinen unmittelbaren Gewinn.
Was sich öffnen könnte, ist oft noch namenlos.
Und gerade das macht Angst.

Doch vielleicht geht es nicht darum,
den Verlust gegen einen Gewinn aufzurechnen.

Vielleicht geht es darum,
die Aufmerksamkeit zu weiten.

Den Verlust zu halten –
und zugleich einen Raum offen zu lassen
für das, was nur entstehen kann,
wenn ich nicht festhalte.

Ich weiß noch nicht, was ich gewinne.
Aber ich beginne zu spüren,
dass etwas in mir freier atmet,
seit ich nicht mehr versuche,
das Verlorene zu sichern.

Vielleicht ist das der eigentliche Wandel:
nicht sofort etwas Neues zu haben,
sondern den Mut,
nicht alles kontrollieren zu müssen.

Ich bleibe beim Nichtwissen.
Nicht aus Ohnmacht,
sondern aus Wachheit.

Und richte meinen Blick –
nicht weg vom Verlust,
sondern durch ihn hindurch.