Seit mein jahrzehntelangjähriger Kunde seinen Vertrag bei mir gekündigt hat,
taucht die Frage immer wieder auf.
Wie kommt es, dass sogar dort,
wo Menschen intelligent, reflektiert, erfolgreich erscheinen
dennoch an inneren Mustern festhalten,
die offensichtlich nicht tragen.
Man könnte denken:
Sie müssten es doch merken.
Dass das nicht funktionieren kann.
Dass etwas immer wieder an derselben Stelle kippt,
sich verkrampft, eskaliert oder abbricht.
Doch Einsicht scheitert selten an Intelligenz.
Sie scheitert an Angst.
Angst macht eng.
Sie verengt den inneren Raum,
zieht Scheuklappen hoch
und verwandelt Komplexität in ein starres Entweder-Oder.
In dieser Enge entsteht Fixierung.
Nicht aus Dummheit,
sondern aus Selbstschutz.
Das, was von außen wie Sturheit wirkt,
ist oft die letzte verbleibende Struktur,
an der ein Mensch sich festhält,
weil dahinter Leere droht.
Oder Kontrollverlust.
Oder Bindung ohne Rüstung.
Je intelligenter ein Mensch ist,
desto ausgefeilter kann dieses System werden.
Gedanken ersetzen Kontakt.
Konzepte ersetzen Beziehung.
Macht ersetzt Nähe.
So entsteht ein geschlossenes Weltbild,
in dem alles erklärt ist –
außer dem eigenen Schmerz.
Einsicht würde bedeuten,
diese Enge zu verlassen.
Und das kostet etwas.
Nicht Komfort,
sondern Identität.
Denn jenseits der Fixierung
gibt es keinen garantierten Halt.
Keine bewährte Rolle.
Kein Skript.
Nur Begegnung.
Und Risiko.
Nicht jeder ist bereit,
diesen Preis zu zahlen.
Und das ist keine Schuldfrage.
Manche Wege enden nicht,
weil sie falsch sind,
sondern weil sie an eine Schwelle führen,
an der Angst lauter wird als Wahrheit.