Wer bin ich, wenn ich nichts Besonderes sein muss?

Wer wärst du,
wenn du nicht mehr besonders sein müsstest –
und dennoch nichts von deiner Tiefe verlieren würdest?

Diese Frage begleitet mich gerade.

Das „Besondere sein“, das Exotische, das Auffällige –
hat mich über viele Jahre zugleich getragen und entfremdet.
Menschen nahmen mich über meine Rolle wahr.
Sie bewunderten sie oder lehnten sie ab.
Gleichgültig ließ sie kaum jemanden.

Und doch wusste ich immer:
Gemeint bin nicht ich.
Gemeint ist das Bild, das andere in mir sehen,
hineinlegen, brauchen.

Darum habe ich mir Räume gesucht,
in denen ich jenseits der Rollen sein durfte.
Dort habe ich mich ganz gegeben.
War loyal, hingebungsvoll, verfügbar –
bis zum Abwinken.

Heute erkenne ich darin etwas anderes:
Dankbarkeit.
Tiefe Dankbarkeit dafür,
dass mich jemand jenseits meiner eingefleischten Rollen gesehen hat.

Das waren Wilfried.
Und Ralf.

Zwei Menschen,
die zu den wichtigsten meines Lebens gehörten.
Beide sind tot.

Ich lebe.

Und mit ihrem Tod ist etwas offen geblieben:
Die Frage, wer ich bin,
wenn ich niemand Besonderes sein muss,
um gesehen zu werden.

Wenn ich ehrlich bin,
weiß ich das noch nicht genau.

Vielleicht ist genau das der Punkt,
an dem sich etwas Neues zeigt.

Nicht eine neue Rolle.
Nicht eine neue Identität.
Sondern ein leiserer Ort.

Ein Ort, an dem nichts bewiesen werden muss.
An dem Tiefe nicht aus Wirkung entsteht,
sondern aus Anwesenheit.

Vielleicht geht es nicht mehr darum,
besonders zu sein.

Sondern darum,
bleiben zu können –
auch dann,
wenn niemand etwas von mir will.