Impulstext

Heute kam mir ein Bild in den Sinn, in dem ich daran dachte, wie Machtkämpfe im Tierreich stattfinden.
Und ich hatte den Eindruck – mit Blick auf die Geopolitik – dass wir da im Grunde gar nicht so weit weg davon sind.

Und ich frage mich dabei:
Wie Menschen an die Spitze gelangen,
die spalten, verhärten, eskalieren.
Wie Macht sich sammelt in Händen,
die wenig Raum für Innehalten, Hinterfragen, für Zuhören, für Menschlichkeit lassen.

Und oft höre ich die Antwort:
„Die da oben sind schuld.“
In allen möglichen Facetten.

Doch je länger ich hinspüre,
desto weniger trägt diese Erklärung.

Denn Führung entsteht nicht im luftleeren Raum.

Sie wächst aus einem Feld.
Aus unseren Ängsten.
Aus unserer Sehnsucht nach einfachen Antworten.
Aus unserem Wunsch, dass jemand „es endlich richtet“.
Aus unserer Müdigkeit, selbst zu fühlen, selbst zu denken, selbst zu stehen.

Unter aller Politik, unter allen Systemen
liegt etwas sehr Altes.

Ein archaisches Programm:
Macht sichern. Revier verteidigen. Kontrolle behalten.

Wir kennen das aus der Natur.

Beim Menschen kommt etwas dazu:
Sprache. Technik. Ideologien. Medien. Narrative.

Das macht dieses alte Programm nicht besser.
Es macht es wirksamer.

Und dann gibt es noch eine dritte Ebene.
Eine leise.
Oft übersehene.

Bewusstsein.
Selbstführung.
Innere Reife.
Die Fähigkeit, Projektionen zu erkennen.
Verantwortung zu übernehmen

Und diese Ebene entscheidet,
welche Gestalt die anderen (da oben) annehmen.

Nicht moralisch.
Strukturell.
Energetisch.

Ich glaube nicht,
dass „die Mächtigen“ einfach böse sind.

Ich glaube, sie bündeln etwas,
das wir alle mit nähren.

Unsere unerlösten Ängste.
Unsere Glaubenssysteme.
Unsere heimatlosen inneren Anteile.
Unsere selbstabwertenden Gedanken.
Unsere inneren Kämpfe gegen uns selbst.

Wie feine Fäden,
die sich nach oben verbinden.

Und irgendwann steht da jemand,
der aus all dem gemacht ist.

Nicht nur aus sich selbst.

Aus uns.

Das ist kein Vorwurf.

Es ist eine Einladung.

Denn es bedeutet:
Wir sind nicht ohnmächtig.

Jede innere Klärung zählt.
Jede übernommene Verantwortung.
Jedes ehrliche Hinsehen.
Jede Weigerung, uns von Angst steuern zu lassen.

Reife ist politisch.
Selbstführung ist gesellschaftlich wirksam.
Bewusstsein ist kein Luxus.

Es ist Grundlage.

Vielleicht beginnt Veränderung nicht dort,
wo wir schreien.

Sondern dort,
wo wir still werden.
Und wahrhaftig.

Und uns fragen:

Wer bin ich,
wenn niemand mir sagt, was ich denken soll?

Und welches Feld nähre ich –
mit meinem Leben?